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BORY-VÁR

Die Steine erzählen

QR-Übersetzung der Tafel über die Geschichte der Bory-Burg.

Die Burg hat der Bildhauer und Architekt Jenő Bory, Professor der Hochschule für Bildende Künste und der Technischen Universität in Budapest, nach seinen eigenen Bauplänen und seiner eigenen Fantasie gebaut. Zum gröβten Teil hat er alleine, sich auf seine zwei Hände verlassend gearbeitet, er hat nur gelegentlich Hilfskräfte in Anspruch genommen. Er war ein gebildeter Architekt, hat aber trotzdem nicht nach traditionellen Methoden gebaut, sondern sich lieber auf seine Fantasie verlassend und der Umgebung entsprechend. Die durch Wände und Türme entstandenen Räume sind die Ergebnisse der eigenen künstlerischen Vorstellung wie auch die Skulpturen.

Wie es angefangen hat…..

Das Grundstück, - auf dem anfangs neben Weinreben und Obstbäumen nur ein Weinkeller mit dem dazugehörigen Weinberghaus (1) stand - hat er 1912 gekauft. Das Weinberghaus wurde dann zu einer Wohnung umfunktioniert, über welches er sogar ein Sommerstudio gebaut hat. Er hatte vor, für die Familie ein Ferienhaus zu errichten. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges in 1914 hat aber die weiteren Bauarbeiten verhindert.

Das Bataillon von Jenő Bory wurde zur serbischen Kampfstätte kommandiert.1915 ist er in Sarajevo angekommen, wo er beauftragt wurde, das Denkmal des im Anschlag gefallenen Thronfolgers und seiner Gemahlin anzufertigen. Er hatte ein grandiöser Plan im Kopf, er hat das Denkmal am Ort des Anschlags geplant, und dazu noch die Votivkirche Franz Ferdinand und das Jugendheim Sofia.

Die Attrappe der Votivkirche Franz Ferdinand von Jenő Bory (1915)

Die Baupläne sind zwar fertig geworden, aber wegen der Niederlage der Österreichisch-Ungarischen Monarchie ist nur das Denkmal am Ort des Anschlags, an der Brücke über den Fluβ Miljacka errichtet worden. Es hat finanziellen und künstlerischen Erforg und Anerkennung für den Künstler gebracht. Eigentlich hat er seinen künstlerischen Namen und auch den Bau der Bory-Burg damit begründet.

Das Denkmal an der Latein-Brücke des Miljacka Fluβes (1916)

Vierzig Sommer….

Er hat also Die Burg erst nach dem Krieg, im Jahre 1919 angefangen zu bauen. Er hat immer gearbeitet, wann er Zeit dafür gefunden hat, sein Schaffenslust hat ihm keine Ruhe gelassen. Das Studienjahr hat er in Budapest verbracht, so wurde die Burg, das Hauptwerk seines Lebens, jeden Sommer gebaut und erweitert. Auf den Ranken hat er Terassen gebildet und während er von der Bildhauerei inspiriert Gebäuden geschaffen hat, hat er mit einigen Studenten mit Beton experimentiert. 1934 hat die Burg ihre Türe auch für die Besucher geöffnet, sie hat gelegentlich auch Abendprogramme mit Musik und Tanz beherbergt, wo Gäste, die Tombola gekauft haben, auch kleinere Bory-Werke gewinnen konnten. Solche Einnahmen hat das Ehepaar ausschlieβlich für die Bauarbeiten verwendet.

Zwischen den zwei Weltkriegen hat Jenő Bory ’besessen’ gearbeitet, auch wenn er nicht an der Burg gebaut hat. Er war ein gesuchter Künstler, er hat eine Reihe von Statuen und Denkmälern geschaffen. Die Gipsmodelle einiger davon sind unter den Arkaden des Hofes mit 100 Säulen zu sehen.(2)

Inzwischen hat sich die Idee der Bory-Burg auch Form angenommen. Der Meister hat mit Trauer gesehen, daβ der Nachlaβ, die Sammlung der zeitgenössischen Küstler nach ihren Tod auseinandergetrieben wird. Die Bory-Burg wird auch dazu dienen: hier werden die eigenen Werke von Jenő Bory und die von seiner Ehefrau, weiterhin auch ihre Kunstsammlung ausgestellt. Der gröβte Teil der Sammlung ist im groβen Studio zu sehen, das die Hauptfassade der Burg bestimmt. (3)

Jenő Bory hat gern mit verschiedenen Materialen experimentiert, dementsprechend mit dem, am Anfang des Jahrhundertes revolutionären Beton. „Wäre der Beton nicht gewesen, würde es die Bory-Burg auch nicht geben.”- sagte er oft. Die 10 cm dicke Betonkuppel der in 1910 in Székesfehérvár gebauten Kirche zum Herzen von Jesus, und der in 1913 im Hof der Burg gebauten 4,2 m groβen Betonbrunnen sind mit seinem Namen verbunden. Auch in der Burg hat er alles mögliche aus dem von ihm bevorzugten Quarzbeton gefertigt: Säulen, Elemente der Balustraden, Kuppeln, Kunstwerke für den Garten, Tür- und Fensterzargen, sogar die Skulpturen. Auf den Arkaden des Hofes mit 100 Säulen stehen dem Wetter trotzend Betonstatuen von groβen Persönlichkeiten der ungarischen Geschichte.(4)

Der Hof mit 100 Säulen (1959)

„Die Burg der ewigen Liebe”

Die romantische Atmosphäre der Burg wird neben künstlerisch gestalteten Ruheplätzen, gepflegten Gärten und Turmzimmern, auch von der ewigen Liebe des Künstlerpaars Bory bestimmt. Davon zeugen die von der Herrin der Burg verfertigte Skulpturen, die für sie geschriebenen Liebesgedichte, und selbst die Burgkapelle. (5) Ein romantischer Russe hat die Burg „Zamok vecsnoj ljubvü” – Burg der ewigen Liebe genannt, was als Titel einer Publikation in russischer Sprache bekannt wurde. Die Verwüstungen des zweiten Weltkrieges habebdie Burg nicht verschont. Skulpturen ohne Kopf, kaputtgegangene Turmkappe, sperrige Löcher überall. Sein ältestes Enkelkind, das mit dem Meister im Keller der Burg das Geschwirr und den Einschlag der Kanonenkugeln, die Zerstörung der Mauer miterlebt hat, erinnert sich folgendermaβen: Jenő Bory hat sich ausgeschlichen und er sagte entschlossen: Ich werde es wiederaufbauen!” So hat er auch getan. Der 67 Jähriger Meister hat nach dem Krieg die Mauerkelle in die Hand genommen, und seine Burg wiederaufbaut.

Was ist also die Bory-Burg?

In seiner Struktur ist es nicht anderes als ein bidhauerisches Kunstwerk in architektonischer Gröβe. Auf der anderen Seite spricht sie über die eigene Mythologie von Jenő Bory. Der Meister, der in einer Zeit geboren war und gelebt hat, die den bildenden Künsten weniger förderlich war, hat sich hier zurückgezogen, einen Ort geschaffen, und nach der Verwüstung des Krieges wiederaufgebaut, wo man freier und tiefer atmen, sich beruhen kann. Dies ist sein Vermächtniβ für Székesfehérvár, für die Bewohner der Stadt und für alle, die die Burg besuchen. Die Burg ist immer noch in der Obhut der Familie. Nach dem Tod von Jenő Bory waren seine Kinder, Enkelkinder, Urenkel und jetzt sind es auch schon seine Ururenkel, die an der Instandhaltung des Schlosses beteiligen. Die Nachkommen bewahren mit Stolz und Liebe das Gedächtnis des Meisters und begrüβen jeden Besucher herzlich!

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