Das Interessanteste kann wirklich nur eines der Vielen sein. Aber schauen wir ganz tief in unser Herz, das auf unser ganzes Leben auswirkende Ereignis, das eine feste Grundlage unseres Lebens bedeuten kann, geht im Allgemeinen wohl um Herzensangelegenheiten. Alles begann vor 40 Jahren. Es geht darum, wie und wo ich ganz schwer, nach 25-jähriger Suche meine liebe Partnerin fürs Leben – also meine Frau gefunden habe. Weil die, die es genau wissen, sagen, dass ich schon in der Wiege ihren Namen geschrien habe. Vor 40 Jahren habe ich mich in die Kunstschule immatrikuliert. Ich war trübselig und marod, nahezu hoffnungslos, weil es schon Zeit war zu heiraten und ich habe das Mädchen nicht gefunden, die ich für mich vorgestellt habe, die ich zum Traualtar stelle und verehre, wie es man mit einer guten Ehefrau tut. Weil wie stellt sich ein verliebter und junger Mann die ideale Frau, seine Lebensgefährtin vor? Solche gibt es vielleicht nur im Himmel, aber wer würde von irdischer und himmlischer Liebe nicht die irdische bevorzugen? Also habe ich meine verehrte Engel nicht gefunden. Deswegen bin ich hoffnungslos, trübselig und schlechtgelaunt gewandelt, mein Herz hat schrecklich Weh getan, dass die Zeit verfliegt und ich verpasse die Möglichkeit, ins Paradies der Ehe zu betreten. Sogar die Bibel sagt, dass der Apfelbaum des Glücks da steht, voll mit roten Äpfeln des Glücks. Davon hat auch unsere Mutter Eva genommen als sie noch ein Mädel war und hat sowohl den Apfel als auch sich selbst ihrem Bräutigam beziehungsweise Ehemann, Adam überreicht. Nach so einer Glücklichkeit bin ich auch gelaufen und ich konnte es nicht erreichen, obwohl ich immer noch bestätige: ohne Zweifel ist die heilige Ehe das Einzige auf dieser Welt, wofür es sich lohnt ,zu leben. Aber jetzt fühle ich schon, dass es sich auch vielleicht für Kunst lohnt . Und dann, vor 40 Jahren ist das Wunder geschehen, in der Kunstschule, wo junge Männer und Mädchen zusammen lernen. Unser Meister war der groβe Künstler, Bertalan Székely. Wir haben den Anfang des Unterrichts gewartet. Ich selbst bin auch an der Tür des Klassenraums, am Treppenabsatz gestanden. Der groβe Alte wäre von oben ankommen, ich habe aber nach unten geschaut, wie einer, der im Herzen Harm trägt. Wie ich an der Treppe nach unten schaue, schlägt im Nu ein Blitz in meine Seele. Ich mache Kulleraugen von Bewunderung. Ein wunderschönes Mädchen kommt hinauf. Ich hab’ sie – rumpelt es schweigend in mir. Ich hab’ sie. Sie ist die, die ich suche. So konnte der Engel des Herren aussehen, dessen Glanz den römischen Soldat um Auferstehung erschlagen hat. Ich bin beiseite gestanden. Das Wunder ging an mir vorbei. Sie hat sich zu ihren Gesellinnen gesetzt und hat auch auf den Meister gewartet, wie alle 20 Studenten. Sie hat ihre Papiere mit der Lösung der Kompositionsaufgabe geblättert. Aber mein Herz hat stets geklopft. Ich habe den auf die Erde abgestiegenen Engel betrachtet. Ihre Haare waren so schwarz, dass es beinah blau schien. Ich war bezaubert. Ich wusste, sie ist, die ich gesucht habe. Ich habe den Schatz gehabt. Aber wie sollte ich anfangen? Wie sollte ich diesen Schatz, den mir Gott gezeigt hat, erwerben? Ich konnte kaum die nächsten Lehrstunden abwarten, wo Bertalan Székely unsere Werke wieder beurteilte. – In der Eroberung hat auch er geholfen. Er hat die Werke von uns beide beurteilt. Wir haben auch Belohnungen bekommen. Er hat sich fast ein Kuppelpelz verdient. Er hat dieses Mädchen sehr Lieb gehabt. In seinem Atelier hat er sie in Gesellschaft ihrer anderen Gesellinnen – sie waren die Anstandsdamen - extra unterrichtet. Bei einer Gelegenheit hat er sie tiefbewegt angesprochen: „Es ist kein Wunder, dass wir auf einander bestehen, wir sind beide Waisen.” Und das war wortwörtlich recht. Er hat sie auch bemahlt. Das Gemälde bewahren wir auch heute als geschätzte Reliquie. Er hat sie wie ein Vater gewarnt, er hat ihr erklärt, welcher von den jungen Männern erwähnenswert ist. Der glückliche Empfohlene war ich. Doch damals haben unsere Herzen schon den heiligen Bund geschlossen. Der Alte hat es erfahren, er war immer ernst, trübselig und bitter, weil seine Lehre nur wenige verstanden haben, oder wollten gar nicht verstehen, - aber dann hat er gelächelt und mir gesagt: „Dieses Mädchen enthält Geist. Sie würde gute Künstlerin sein, wenn sie nicht heiraten würde. Aber sie tun es vernünftig, mein Herr. So vervollkommt sich die Rasse. ”Die Vervollkommnung haben wir bis jetzt noch nicht gesehen, - nicht in groβem Maβe: aber vielleicht die Enkelkinder. Wir haben schon sechs. Es ist schon 40 Jahre her, und sie ruht sich auch jetzt neben mir. Vierzig Jahre! Und ich erkläre seitdem in Marmor, in Bronze, in Gemälden, in Zeichnungen und in Gedichten – wie sie war, besser gesagt wie sie ist, weil sie noch immer blüht. Jedoch nähern sich diese Werke ihrer körperlichen und geistigen Schönheit kaum an. Ich habe schon aufgegeben, das zu erreichen. Wie wunderbar auch diese Werke sind, sind alle nur Schatten von der lebendigen Realität. Oder ist es nur meine glückliche Befangenheit? Ich versuche alles, um ihre Schönheit zu zeigen, die die Zeit zerstören möchte. Die obengenannten Gemälde und Skulpturen sind alle in der Bory-Burg zu sehen, weil die ganze Burg für sie gebaut wurde. Da sind auch die Gedichte in Marmor und Granit graviert. Hat es sich ja gelohnt, 25 Jahre lang zu suchen? Ich will nicht glauben, dass das traurige Schicksal jedes Schönes, Gutes und Wahres wäre, sich zu beenden, - so viele Schönheit und Gütigkeit kann nicht entschwinden.
Budapest, den 23. April 1944